Neues aus dem Lesecafé im Juni

Am 03.06.2026 fand wieder das beliebte Lesecafé in unserer Stadtteilbibliothek in Groß Klein statt.


Fölck, Romy: Fünf Fremde

Bild: Lübbe
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Das Buch spielt auf 2 Ebenen vor 30 Jahren und in der aktuellen Zeit.

1995 verschwanden 2 Teenager auf bisher unbekannte Art auf der Nordsee-Insel Neuwerk aus einem Landschulheim. Nur 1 Kind wurde nach Tagen gefunden, das andere blieb bis heute weiterhin verschollen. 30 Jahre später fahren 5 Personen aus unterschiedlichen Gründen auf die Insel und erkennen bald, dass sie sich nicht so fremd sind, wie sie dachten, und dass sie alle in die Vorkommnisse von damals verwickelt sind. Die fünf Fremden sind: Annika Lundt, sie ist Kriminalkommissarin, fährt aber privat in ihr altes Zuhause, um sich um ihre demenzkranke Mutter Hedda zu kümmern. Charlotte Hahnel, die damals als Lehrerin mit war, als 2 ihrer Schützlinge verschwanden, nur das Mädchen tauchte wieder auf. Was war mit Janosch passiert? Charlotte kam nicht damit klar und ging als Ordensschwester in ein Kloster. Nun bekam sie einen Brief von Hedda Lundt, der Mutter von Annika, die sie bat zu ihr zu kommen, beide kannten sich aus der Zeit vor 30 Jahren. Sinje Bianchi, ist Journalistin mit einem Italiener verheiratet, sie will ein Buch über diesen Cold Case schreiben, deshalb reist sie auf die Insel und geht auf der Fähre über Bord. Ein Mitreisender rettet sie, springt in die See und holt sie raus, es ist Mats Nilsson, ein Meteorologe und Sturmjäger, der Stürme erforscht. Ein solcher wird auf der Insel Neuwerk erwartet. Sinje ist sich sicher, dass sie von der Fähre gestoßen wurde! Michelle Welm ist Vogelwartin und soll die bisherige Vogelwartin ablösen, denn man lebt und forscht immer nur eine begrenzte Zeit in der Einsamkeit der Natur, nur ist diese spurlos verschwunden, in ihrem Zimmer steht das Gepäck, von ihr keine Spur?

Die Perspektivenwechsel und Rückblenden in das Jahr 1995 bringen eine Dynamik in die Handlung, die die Lesenden in atemlose Spannung versetzt und Panik in Echtzeit erleben lässt.


Gruber, Andreas: Herzfluch

Bild: Goldmann

Nach „Herzgrab“, das ich im letzten Lese Café vorstellte, nun der zweite Band der „Herz“-Reihe, wir begegnen wieder dem Ehepaar Gerink, sie ist Privatdetektivin, er Ermittler beim BKA, spezialisiert vermisste Personen zu finden und an seiner Seite sein Kollege Dino Scartozza.

Spielte der 1. Teil in der Toskana, geht es nun nach Griechenland, doch die Inselwelt der Kykladen ist ein trügerisches Idyll. Sowohl die Privatdetektivin Elena Gernik als auch die beiden BKA-Ermittler werden in eine Welt voller Gegensätze verschlagen. Sie treffen auf eine abgehobene Luxusgesellschaft, Rucksacktouristen, Kunst, Kultur und Wahnsinn.

Elena Gernik nimmt den Auftrag an, einen nicht verurteilten Mörder zu suchen, der sich wohl nach Griechenland absetzte. Gleichzeitig sind auch ihr Ehemann Peter und dessen Partner Dino vom BKA Wien in einer Vermisstensache in der griechischen Inselwelt unterwegs, sie sollen eine Rucksacktouristin suchen, von der es kein Lebenszeichen mehr gibt. Ihre Wege führen zusammen auf eine kleine, fiktive griechische Insel. Zwar taucht zu Beginn der Spurensuchen noch so etwas wie ein Feriengefühl auf, doch dieses verschwindet sehr bald. Was sich seit Jahren im Untergrund der Insel abspielt, ist im Grunde genommen unvorstellbar. Aus einer Vermisstenanzeige wird eine Spurensuche, die das Trio in die tiefsten Abgründe des Wahnsinns und in die Welt der griechischen Mythologie führt.

Andreas Gruber lässt sich in dieser Geschichte Zeit, bis er die Lesenden schließlich zum gruseligen Ausgang führt. Lange Zeit führt er die beiden Handlungsstränge parallel zueinander und es ist nicht absehbar, ob und wann sich alles zu einem Ganzen verbindet. Doch dann werden die Nerven überstrapaziert. Da hilft auch die Schönheit der Kykladen Inseln nicht mehr.

 

Gutsch, Jochen: Frankie unter Menschen

Bild: Penguin
Nach dem 1. Teil Frankie, kommt nun einige Jahre später Teil 2 = Fankie unter Menschen. Frankie hat alles, was ein Kater braucht: Riesen-Fernseher, Riesen-Bett, Futter mit viel Soße. Doch ein unglücklicher Zufall führt ihn weit weg von zuhause. Verzweifelt sucht er nach einem Weg zurück. Dabei trifft er auf ein Mädchen, das ebenso allein, schmutzig und ausgehungert ist wie er. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise durch ein Land, welches ihnen beiden fremd ist. Ich finde es herrlich erfrischend und unterhaltsam wie Frankie die Welt, andere Tiere oder die Menschen sieht. Er betrachtet vor allem letztere mit einer Mischung aus Neugier, Unverständnis und stiller Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Besonders gelungen sind die Momente, in denen er versucht, menschliches Verhalten zu entschlüsseln – sie sind oft gleichzeitig witzig und tieftraurig. Es stellt sich die Frage, was es eigentlich bedeutet, „menschlich“ zu sein.

Es gibt einige heftige Szenen, die einem das Herz zerreißen. Im Vergleich zum ersten Teil wirkt die Fortsetzung nachdenklicher und ernster. Themen wie Einsamkeit, Identität und zwischenmenschliche Nähe spielen noch größere Rollen. Es geht außerdem darum, wie es ist, sein Zuhause zu verlieren.

Ein bisschen erinnert die Story an Bob und an den James Brown, einen Straßenmusiker der sich des Straßenkaters annahm. Eine wahre Geschichte die auch verfilmt wurde (mit dem echten Bob in der Hauptrolle) Auch Frankie trägt dazu bei, dass das junge Mädchen mehr Geld in die Dose bekommt, seit Frankie mit dabei ist, wenn sie vor dem Supermarkt mit ihrer Ukulele musiziert…

 

Stuckrad-Barre, Benjamin von: Udo Fröhliche:
Alles über Udo Lindenberg von Alkohol bis Zigarre

Bild:
Kiepenheuer & Witsch
Wer eine nüchterne, analytische Biografie erwartet, wird hier ungefähr so glücklich wie ein Rock-Pop Fan bei Helene. Das ist kein distanziertes Porträt, das ist Nähe. Teilweise fast schon Komplizenschaft. Stuckrad-Barre ist nicht nur Chronist, er ist Fan. Und er versteckt das nicht mal ansatzweise. Gut so!

Udos Musik begleitete auch mich seit meiner Jugend, ich sah dann auch sehr interessiert den Film von 2020, in dem er von Jan Bülow in „Mach dein Ding“ gespielt wurde, der Schauspieler hatte verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen Udo.

Das Konzept ist schnell erklärt: kein linearer Lebenslauf, kein staubiges Kapiteldenken. Stattdessen ein Alphabet des Udo-Universums. Alkohol, Hut, Hotel, Fernweh – jedes Stichwort ein Einstieg in kleine Episoden, Beobachtungen, Erinnerungen. Das wirkt erstmal wie literarisches Zappen, hat aber System.

Inhaltlich bekommt man dabei ziemlich viel serviert: Aufstieg, Absturz, Wiederauferstehung – die klassische Rock’n’Roll-Dramaturgie, einmal durchdekliniert. Aber eben nicht als Pathos-Kitsch, sondern als Sammlung von Momenten. Kleine Szenen statt großer Gesten. Und genau dadurch wird klar, warum Lindenberg mehr ist als nur ein Musiker. Der Mann hat Sprache geprägt, Haltung geprägt – und nebenbei eine ganze Republik ein bisschen lockerer gemacht.

Das Buch ist am Ende weniger Biografie als ein Stimmungsbild. Ein ziemlich unterhaltsames noch dazu. Man lernt Udo nicht neu kennen, aber man versteht besser, warum er so funktioniert, wie er funktioniert.


Winkelmann, Andreas: Entführung im Himmelreich (Teil 2)

Bild: Knaur
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Himmelreich so nennt sie der Campingplatz auf dem diese Geschichten spielen.

Mit „Mord im Himmelreich" wagte Andreas Winkelmann sich in den Mikrokosmos Campingplatz und vollzieht einen gekonnten Genrewechsel hin zu „Cosy Crime". Er verbindet sympathisch-authentischen Humor mit der von ihm gewohnten fesselnden Spannung: Ein Toter auf dem See, stümperhafte Polizeiarbeit und ein Campingplatz voller eigenwilliger Originale. Der unfreiwillig ermittelnde ehemalige Nebenrollen-Schauspieler Björn Kupernikus und die exzentrische Malerin Annabelle sind der Polizei stets einen klugen Gedanken voraus.

Nun folgt der 2. Teil, der natürlich wieder auf dem Campingplatz in Caputh am Schwielowsee irgendwo zwischen Potsdam und Brandenburg spielt.

Wo ist der Bäcker? Kupernikus lebt seit 3 Wochen mit Otto, seinem Wohnmobil, auf dem Campingplatz Himmelreich. Pinguin, der kleine Hund aus dem 1. Teil, der zum damaligen Opfer gehörte, wohnt bei ihm und sie sind beide glücklich mit der Situation. Wie jeden Morgen steht er Schlange um seine bestellten Brötchen abzuholen. Aber Bäcker Mauske erscheint nicht. Bei der Gassirunde entdeckt Kupernikus den verlassenen Bäckerwagen, unverschlossen. Portemonnaie und Handy liegen offen in der Fahrerkabine. Am See stehen ein Paar Schuhe. Es sind wohl die Schuhe des Bäckers, da sie voller Mehlstaub sind. Ist er ins Wasser gegangen? Warum wollte er sich umbringen? Die Ereignisse überschlagen sich. Auf einem Hausboot wurde eingebrochen und dann wird auch noch ein toter junger Mann im Frosterraum der Bäckerei gefunden. Niemand kennt ihn. Kommissar Fass lehnt jede Hilfe ab, aber Annabelle und Kupernikus stellen eigene Nachforschungen an.


Romy Herold:  Die Schwartau Schwestern – Die Süße des Lebens

Bild: Blanvalet

Eva-Maria Bast und Jørn Precht erzählen als Romy Herold die opulente Familiensaga über die Gründung des Familienunternehmens Schwartau.

Als die Schwestern Emma und Tilde Fromm 1899 in Rostock den Zug besteigen, um einen Neuanfang in Schwartau zu wagen, ist die geliebte selbstgemachte Erdbeermarmelade natürlich im Gepäck.

Die Brüder der beiden Schwestern Dr. Paul Fromm und Otto Fromm gründeten in Schwartau eine Fabrik für Bohnerwachs und die Schwestern gingen mit nach Schwartau. Nachdem die Fabrik gut lief wurde dann die süße Abteilung der Fabrik begründet.

Die Fabrik überstand den 1. Weltkrieg sehr gut, denn Marmelade wurde als Fettersatz für die Versorgung der Armee wichtig, damit waren sie zwar Kriegsgewinner aber das lag nicht in ihrer Entscheidung. Dies wurde von der Regierung und den entsprechenden Ministerien angeordnet. Die Inflation und die Welt die Weltwirtschaftskrise konnten sie daher gut überstehen. Danach legten sie das Firmenkapital in Goldmark an und die Firma wandelte sich von einer OHG zu einer GmbH und später zu einer Aktiengesellschaft.

Schwartau war zwischenzeitlich zu Bad Schwartau geworden, es gab natürliche Solequellen und es entstand ein reger Kurbetrieb.

Es wurden vielfältige Geschäftsbeziehungen in Ausland geknüpft und das Werk konnte weiterwachsen.

Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, obwohl über die Gründerfamilie und speziell über Emma und Tilde wenig überliefert ist, haben die Autoren ihre Fantasie spielen lassen.

Ein lesenswertes Buch über eine Firma die jeder kennt, sehr empfehlenswert.

 

Petermann, Axel:  Die Psyche des Bösen – Im Kopf der Mörder – Ein Profiler ermittelt

Bild: Heyne
Axel Petermann widmet sich drei spektakulären Fällen und liefert erstaunliche neue Erkenntnisse. Ein ganz besonderes Augenmerk legt er auf die Psyche der Täter. Was macht Menschen zu Mördern – und wie wählen sie ihre Opfer aus?

Was steckt hinter dem Tod einer Buchhalterin, die in einer Käserei erstochen wurde? Spurlos verschwand kurz vor der Wende 1989 ein 13-jähriges Mädchen auf dem Weg zur Schule. Doch was geschah wirklich? Und warum versucht ein 11-jähriger Junge ein Mädchen aus seiner Nachbarschaft zu erwürgen, ehe er später tatsächlich zum dreifachen Mörder wird?

Spannender als ein Krimi – und beängstigend wahr.

 

Schefé, Victor:  Zwei, drei blaue Augen

Bild: dtv
Der Schauspieler Viktor Schefé, geboren als Tassilo, benannte sich später in Victor um, weil er Sorge hatte, dass die Stasi ihn sucht, wenn er ausreist. Doch ich will nicht vorgreifen Victor, hier im Buch noch Tassilo, wuchs in der DDR auf. Über seine Kindheit und Jugend und über seine Ausreise nach West-Berlin, drei Jahre vor dem Mauerfall, schreibt er nun in seinem ersten Roman – „Zwei, drei blaue Augen“.

Tassilo ist ein neugieriger, cleverer und mitfühlender Junge. Zusammen mit seiner Mutter Loni wohnt er in einem Plattenbau in Rostock. Er sammelt Elefanten-Figuren, schreibt und liest gern. Schon in jungen Jahren unterhält er Brieffreundschaften, unter anderem mit der DDR-Leichtathletik-Legende Marita Koch. „Es gibt eine Masse an Briefen eines Neunjährigen, und der Zehnjährige hat angefangen Gedichte zu schreiben", erzählt Victor Schefé. „Ich bin diesem Tassilo wahnsinnig dankbar, dass er alles aufgehoben und außer Landes geschleust hat, damit ich das jetzt benutzen kann."

Schefé hat das historische Material, seine „Papierschätze", wie er sagt, zu einem Collage-artigen Roman verwoben. Im Wesentlichen geht es um das Vertrauen in den angeborenen Freiheitsdrang. „Ich wurde teilweise mit Hundeleine am Warnemünder Strand spazieren geführt, weil ich einen großen Drang hatte, in die große, weite Welt hinauszuschwimmen."

Irgendwann wird Tassilo klar, dass er verfolgt wird. Als er zum ersten mehrstündigen Verhör abgeholt wird, fließen Informationen, die nur seine Mutter kennt. Zu lesen, wie Mutter und Sohn eine vertraute Einheit bilden, sie ihn dann aber aus Sorge um seine Gesinnung an die Stasi verrät, schmerzt. Trost spendet die unbändige Freude, die Tassilo empfindet, als sein Antrag durchgeht: Er darf nach West-Berlin ausreisen. 



Das nächste Lesecafé findet am 02.09.2026 in der Stadtteilbibliothek in Groß Klein statt. 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

AS

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