Manga - keine Nischenliteratur

Vor weniger als zwei Wochen fand der Gratis Comic Tag statt und wir waren auch wieder dabei. Bereits um Punkt 10 Uhr strömten Jung und Alt in die Stadtbibliothek Rostock, um sich die kostenlosen Comics abzuholen. Und so kam es, dass binnen einer Stunde nichts mehr übrig war. Comics und Mangas waren, sind und werden wohl immer sehr beliebt sein und besonders begehrte Reihen bekommen auch Verfilmungen.

Hier sind ein paar Reihen, die mich in ihren Bann gezogen haben. Und bei denen Fans dieses Jahr mit neuen Animes oder Staffeln belohnt wurden.

Bildquelle: Carlsen
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Ganz vorne dabei ist die Netflix-Live-Adaption von "One Piece". Im März diesen Jahres konnten Fans sich an der lang erwarteten 2. Staffel der Live-Action Adaption erfreuen. Und wenn wir Glück haben, wird bereits nächstes Jahr die 3. Staffel veröffentlicht.
Die Buchreihe von Eiichiro Oda ist aber noch lange nicht fertig erzählt und so erscheinen immer noch neue Abenteuer. Wer auf die neue Staffel und Folgen des Anime nicht warten kann, sollte einen Blick auf die Mangas werfen.

Wenn Ihnen One Piece nichts sagt, dann hier eine kurze Zusammenfassung: Der Schatz "One Piece" wird als ultimatives Ziel für Piraten angesehen, da er angeblich immense Macht und Wohlstand verleihen soll. Die Suche nach diesem Schatz führt den Piraten Ruffy und seine Freunde (Die Strohhutbande) zu abgelegenen Inseln und hinein in Konflikte mit mächtigen Feinden.

Bildquelle: Egmont Manga
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Einer meiner derzeitigen Favoriten "Atelier of Witch Hat", hat auch gerade eine Verfilmung bekommen und läuft z.Z. im wöchentlichen Rhythmus auf den Streamingdiensten. Die Zeichnungen sind meiner Meinung nach besonders schön und auch dieser Manga war schon einmal beim Gratis Comic Tag dabei.

Worum geht es?
Das Mädchen Coco träumt davon, Hexe zu werden. Doch ist sie ohne magische Begabung, die sie dafür von Geburt an in sich tragen müsste. Sie hütet ein magisches Bilderbuch, das ihr geschenkt wurde. Durch unglückliche Zufälle landet sie beim Zauberer Quiffrey, der sie als Lehrling aufnimmt. Gemeinsam mit ihr und seinen weiteren Lehrlingen untersucht er die bösen Zauber und deren Urheber, die in Cocos Buch stehen.

Bildquelle: Manga Cult
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Ein Publikumsliebling (und auch bei uns der Ausleihrenner im letzten Jahr) "Die Tagebücher der Apothekerin" ist eine klare Empfehlung. Mittlerweile gibt es sogar den ersten Light Novel in deutscher Sprache (auch demnächst bei uns zum Ausleihen). Wem Light Novel nichts sagt, der Begriff meint einen Literaturroman basierend auf einem Manga.

Was passiert in der Reihe?
Das Mädchen Maomao wird entführt und an den Palast verkauft. Sie beginnt als Waschmagd, doch als sie erkennt, dass die Favoritinnen des Kaisers und ihre Kinder aufgrund von Gesichtspuder erkrankt sind, schreibt sie Briefe. Maomao wird entdeckt und bekommt als Dank eine Anstellung als Zofe bei der Dame Gyokuyo. Der Eunuch Jinshi wird ebenfalls auf Maomao und ihr Wissen rund um Gifte aufmerksam und spannt sie in die Aufklärung verschiedenster Fällen am Hofe ein.

 

Bildquelle: Altraverse
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Und Anfang des Jahres bekamen Fans eine zweite Staffel des Anime "Frieren". Eine schöne und doch so traurige Geschichte.
Die Elfe Frieren hat vor einigen Jahren mit einer kleinen Heldentruppe den Dämonenkönig besiegt und das Land gerettet. Viele Jahre später sind ihre menschlichen Begleiter von damals verstorben. Und Frieren macht sich auf die Spuren von damals. Begleitet wird sie von der jungen Magierin Fern und dem Kämpfer Stark.  

Und auch hier dürfen Frieren-Liebhaber sich freuen. Es wurde bereits angekündigt, dass eine dritte Staffel produziert wird. Wer aber nicht so lange warten möchte, dem empfehle ich ebenfalls die Bücher. 

In der Stadtbibliothek Rostock gibt es noch eine Vielzahl weiterer Manga, die sehr empfehlenswert sind. Vielleicht interessieren Sie sich für Klassiker wie Mila SuperstarRanma 1/2 oder Detektiv Conan. Wir haben bestimmt für jeden etwas im Regal stehen.

JA

Scham ist überall - warum wir darüber reden müssen

Foto: Klaus Joswig

Ich habe mich wieder einmal von einem besonders hörenswerten Podcast anregen lassen, dieses Thema für unseren Blog aufzugreifen.
Im Hotel Matze war der Sozialwissenschaftler, Autor und Supervisor 
Dr. Stephan Marks zu Gast. Er forscht und arbeitet zu den Themen Scham und Menschenwürde und hat einige Bücher veröffentlicht. Außerdem bietet er  Fortbildungen für viele Berufsgruppen (Schule, Pflege, Erziehung, Sozialarbeit,  Medizin, Mediation, Seelsorge, Supervision, Organisationsentwicklung, Psychotherapie,  Beratung, Führungskräfte, Polizist:innen, Hebammen, Mitarbeitende im Strafvollzug, Hospizen u.v.a.) an, in denen das Thema Scham eine Rolle spielt. Gerade ist die vollständig überarbeitete Ausgabe seines Buches "Scham : die tabuisierte
Emotion" erschienen. 
(M
omentan ist nur die vorherige Ausgabe in der Bibliothek vorhanden, die 3. Auflage 2026 wird gekauft.)

Verlagsgruppe Patmos
Scham hat viele Gesichter: Selbst so extreme Taten wie sogenannte "Ehrenmorde" und Selbstmordattentate beruhen auf dem Mechanismus von Scham und Schamabwehr. Anhand vieler Beispiele aus Familie, Beruf und Gesellschaft, erklärt der Autor, wie Scham entsteht, welche Auswirkungen sie hat und wie wir konstruktiv mit dieser - bisher tabuisierten - Emotion umgehen können. Nachdem er die unterschiedlichen Formen der Scham definiert hat und aufgezeigt hat, wie sich diese abhängig von Generationen und gesellschaftlichen Normen entwickeln, geht der Autor auf übliche Abwehrmechanismen wie Zynismus oder Zorn ein. Besonders interessant ist der Teil, in dem der Autor die Scham im geschichtlichen Kontext analysiert, z.B. am Beispiel des 30-Jährigen Kriegs, des 2. Weltkriegs oder am gesellschaftlichen Verhältnis zwischen Arm und Reich. Marks betrachtet das Thema Scham sowohl aus sozialer als auch aus psychologischer Sicht. 
In der aktualisierten und vollständig überarbeiteten Neuausgabe beleuchtet er auch die politischen Auswirkungen von Scham am Beispiel des Nationalsozialismus und des aktuellen Aufschwungs des neuen Rechtspopulismus in den USA.

Dr. Marks sagt, dass Scham überall ist: in unseren Körpern, in den Schulen, in unseren Betrieben, in zwischenmenschlichen Beziehungen, in der Politik. Es ist eine Emotion, die wir nicht gerne spüren und über die wir nicht zu reden gelernt haben, denn Scham ist oft sehr schmerzhaft und peinlich. Aber sie bringt uns auch dazu, darüber nachzudenken, wo wir verletzlich sind und wann und wie wir andere verletzen können. Denn wir schämen uns nicht nur, wir können auch andere beschämen, unverschämt oder schamlos sein. Und genau hier beginnt die eigene Schamarbeit, so Marks. Denn Scham ist ein soziales Gefühl und wichtig für ein wertschätzendes gelingendes Miteinander.

=>    Bücher zum Thema Scham in der Stadtbibliothek

=>    im Gespräch erwähnt und zitiert: Toni Morrison "Sehr blaue Augen" in der Onleihe

=>    Leseprobe Stephan Marks: Scham : die tabuisierte Emotion

=>    viel zitiert: Leon Wurmser: Die Masken der Scham (über Universitätsbibliotheken zu entleihen)

        BB


Lesbian Visibility Day

Seit 1990 wird am 26. April jeden Jahres der „Lesbian Visibility Day“ – der Tag der lesbischen Sichtbarkeit – gefeiert. 
Besonders in Zeiten wie jetzt, in denen es sich für queere Menschen oftmals anfühlt, als ob die Akzeptanz für uns und alle, die irgendwie „anders“ sind, sinkt, ist es umso wichtiger, für Sichtbarkeit, Toleranz und Empathie einzutreten. 
Oftmals werden Lesben* einerseits in ihrer Liebe und ihrem Lebensstil immer noch nicht ernst genommen („ist ja nur eine Phase“) oder aber sie werden übermäßig sexualisiert und politisiert.

Ein Beitrag des Lesbenring e.V. vom 24. April 2020 fasst meine Gefühle zu diesem Tag und die Probleme, denen Lesben* im Alltag begegnen müssen, sehr gut zusammen und endet mit einem Zitat der damaligen Vorstandsfrau Hedy Gerstung: „Sichtbarkeit ist und bleibt wichtig. Gerade in diesen Zeiten. “Seid ‘out & proud’ auch online im Netz, erst recht für diejenigen, die sich verstecken müssen und sich nicht zeigen können hier und weltweit.“

Foto: Norbu Gyachung (Unsplash)

Eine kleine Auswahl an thematisch passenden Büchern ist hier für euch zusammengestellt und 
für noch mehr Medien zum Thema LGBTQIA+, schaut doch einfach in unserem Katalog hier nach.  

Eine kurze Geschichte queerer Frauen

Bild: Aufbau Verlag
Ob bekannte Namen wie Virginia Woolf, Marlene Dietrich und Hildegard von Bingen oder bisher (zu Unrecht) unbekanntere wie die der andalusischen Prinzessin Wallāda bint al-Mustakfī, der:des Womanizer:in Catterina Vizzani, der chinesischen Intellektuellen Wu Zao oder der trans* Aktivistin Marsha P. Johnson, die am Stonewall-Aufstand beteiligt war: Kirsty Loehr versammelt sie und noch viele weitere queere Frauen in ihrem außergewöhnlichen Buch feministischer Geschichtsschreibung. Nach der Lektüre sehen wir die Welt in ihrem über Jahrhunderte stramm gezogenen heteronormativen Korsett mit neuen Augen. Witzig und frech im Ton spannt Kirsty Loehr einen kritischen Bogen von der Steinzeit bis heute – und eröffnet uns ein unglaubliches Panorama an queeren Frauen, die es unbedingt zu entdecken gilt. (Verlagstext)

 

We fell in love in October

Bild: Verlagsgruppe Oetinger
"Das kann doch nicht alles sein im Leben", sagt sich Lisa, bricht ihre Ausbildung als Bankkauffrau ab und bricht damit auch mit allem, was ihre Eltern und Freund Max sich vorgestellt haben. In einer Spontanaktion bucht sie ein Busticket nach Köln. Dort beginnt ein Abenteuer, in dem sie auf die Tätowiererin Karla trifft, die ihr eine Welt zeigt, die Lisa bis dahin nur aus Filmen kannte. Zwischen Couchsurfing, Partys und existenziellen Lebenskrisen erkundet die junge Frau nicht nur ihre Sexualität, sondern auch die Möglichkeit, dass Träume keine Träume bleiben. (Verlagstext)

   

Last night at the Telegraph Club

Bild: dtv
Die siebzehnjährige Lily wächst Mitte der 50er Jahre in der chinesischen Community von San Francisco auf. Als sie bei einem Schulprojekt Kathleen kennenlernt, wird ihr klar, dass sie anders ist – und anders fühlt – als die anderen Mädchen. Die beiden freunden sich an und besuchen nachts heimlich eine verbotene Lesbenbar, den Telegraph Club. Hier taucht Lily in eine Welt ein, die sie maßlos fasziniert. Und ihr wird klar, dass sie mehr für Kath empfindet.

Doch das Amerika des Jahres 1954 ist kein sicherer Ort für zwei Mädchen, die sich verlieben, schon gar nicht in Chinatown. Als ihre nächtlichen Besuche des Telegraph Club auffliegen, hat dies Folgen für Lilys Familie. Dennoch kann und will sie ihre Liebe zu Kath nicht aufgeben. (Verlagstext)

   

Bild: Carlsen
The Guy She Was Interested in Wasn't a Guy at All

Aya Osawa ist Stammkundin eines kleinen, alternativen Plattenladens. Obwohl sie das beliebteste Mädchen in ihrer Klasse ist, stimmt es sie traurig, dass niemand ihre Liebe zur alternativen Musik teilt. Doch in ihrem Plattenladen arbeitet seit Neustem ein hübscher E-Boy mit fantastischem Musikgeschmack, und Aya ist sofort Feuer und Flamme. Was sie nicht ahnt: Der hübsche E-Boy ist in Wahrheit ihre Klassenkameradin Mitsuki Koga. Und so beginnt die verrückte Liebesgeschichte der beiden Frauen... (Verlagstext)


Atmosphere

Bild: Ullstein

Joan Goodwin sieht zu den Sternen auf, seit sie denken kann. Als Professorin für Astrophysik hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, und sie ist glücklich, wenn sie ihrer Nichte abends unter freiem Himmel die Sternbilder erklären kann.

1980 wagt sie den Schritt ihres Lebens: Sie bewirbt sich als eine der ersten Frauen für das Space-Shuttle-Programm der NASA. Mit einer Gruppe aus hoch qualifizierten Piloten, Commanders und Ingenieurinnen beginnt sie die intensive Vorbereitung auf ihren ersten Flug ins All. Während sie ihrem Traum von den Sternen immer näher kommt, begegnet Joan unerwartet einer Liebe, die alles überstrahlt.
(Verlagstext)

WS

Konsolenspiele-Tipps

Hallo an alle Controller-Akrobaten und Highscore-Jäger,


wie in jedem Jahr ist es auch 2026 wieder so: Die Neuerscheinungen lassen noch ein wenig auf sich warten und trudeln erst ab Mitte des Jahres so richtig in unseren Regalen ein.

Aber kein Grund zur Sorge! Wer Futter für die Konsole sucht, hat aus dem letzten Jahr noch einiges nachzuholen. 


Dragonball Z - Kararot


Erlebe die Geschichte von Dragon Ball Z von epischen Ereignissen bis hin zu leichtfüßigen Nebenquests, einschließlich nie zuvor gesehener Story-Momente, die zum ersten Mal Fragen zur Geschichte von Dragon Ball beantworten! Spiele ikonische Dragon Ball Z-Schlachten in einem Ausmaß wie nie zuvor. Kämpfe auf riesigen Schlachtfeldern mit zerstörbaren Umgebungen und erlebe epische Bosskämpfe gegen die legendärsten Gegner (Radditz, Freezer, Cell etc.). Erhöhe deine Kraftstufe durch Rollenspiel-Mechaniken und stelle dich der Herausforderung!

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Bild: Bandai Namco Entertainment


    Hello Kitty Island Adventure


Begib dich auf ein gemütliches Open-World-Abenteuer mit Hello Kitty und ihren Freunden!

Auf der mysteriösen Insel der Freundschaft erwachen Hello Kitty und ihre Freunde zu einem neuen Abenteuer! Erkunde eine riesige, wunderschöne Welt voller knuffiger Kreaturen, leckerer Speisen und zahlloser Rätsel.

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Bild: Sunblink


Pokémon-Legenden: Z-A 


Ein ambitioniertes neues Abenteuer erwartet dich in Illumina City. In dieser ikonischen Metropole wird ein städtischer Sanierungsplan umgesetzt, um die Stadt in einen Ort zu verwandeln, der sowohl Menschen als auch Pokémon ein harmonisches Zuhause bietet.

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Bild: Game Freak

Battlefield 6


Willkommen in der Ära des totalen Krieges – Das ist Battlefield 6.

Erlebe das ultimative, kompromisslose Kriegsgeschehen auf PlayStation 5. Kämpfe in brutalen Infanterieschlachten, erobere in packenden Luftkämpfen den Himmel und nutze das zerstörbare Gelände zu deinem strategischen Vorteil. Battlefield 6 markiert die Rückkehr zum klassischen Klassensystem und kombiniert es mit modernster Technik für massive 64-Spieler-Schlachten.

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Bild: Electronic Arts (EA)


EW



Neues aus dem Lesecafé im März

Am 04.03.2026 fand wieder das beliebte Lesecafé in unserer Stadtteilbibliothek in Groß Klein statt.


Arenz, Ewald: Katzentage

Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch gelesen, was kein Kinderbuch war und das trotzdem nicht nur mit Worten, sondern auch durch zauberhaft zarte Bilder erzählte?

Bild: DuMont
Der Roman „Katzentage“ von Ewald Arenz, dessen Text wunderbar durch die Illustrationen von Florian Bayer ergänzt wird ist einfach wunderschön. Es ist schwer, hier ein Lieblingsbild z
u wählen, aber für mich wird es wohl entweder das der Romanheldin Paula mit Herbstlaub in der Hand auf Seite 15 oder das 1. Bild als die Katze auftaucht auf S. 35 sein.

Katzentage beginnt mit einer trügerisch einfachen Story: Ein Bahnstreik sorgt dafür, dass Paula und Peter, die gerade erst eine Konferenz und eine gemeinsame Nacht hinter sich haben, für ein verlängertes Wochenende Anfang Oktober in Würzburg stranden. Oder, wie es der Roman ausdrückt: „Als ob uns das Schicksal einen Tag freigegeben hat.“ Es sind dann ein Tag und ein Wochenende an dem sie sich in einem kleinen Teehäuschen mit Dusche im Haupthaus einquartieren und sogenannte Katzentage, Tage an denen man machen kann was man will ohne Termine und ohne Vorschriften verbringen und ja, es taucht dann wirklich noch eine Katze auf…

Paula ist Ärztin in einer Klinik, Paul ist in derselben Klinik Verwaltungsjurist, beide haben sehr sachlich orientierte Berufe und erleben nun Tage der Unbeschwertheit und der Freude am Leben. Irgendwie hatten sie das in ihrem bisher etwas über 40jährigen Leben verloren.
Als sich eine Katze dem Paar anschließt, merken die beiden, welche Leichtigkeit das Leben bereithält, wenn man dafür offen ist.


Gruber, Andreas: Herzgrab

Bild: Goldmann
Der 1. Band über die junge Privatdetektivin Elena Gerink kam bereits 2013 heraus. 12 Jahre später erschien endlich die Fortsetzung. Dies bescherte auch dem 1. Teil ein neues Cover.
Ich stelle hier den 1. Teil vor, der uns in die Toskana entführt. Die Beschreibung ist so, dass ich mir das Anwesen der Del Vecchios direkt vorstellen kann. Teresa Del Veccios lebt in Wien (inzwischen auch mit österreichischer Staatsbürgerschaft) und kommt zu einer Beerdigung nach Hause. Dort wird sie allerdings entführt.

Als Leser trifft man im Wechsel der Kapitel auf Peter Gerink, Entführungsspezialist beim Bundeskriminalamt und seine Noch-Ehefrau Elena Gerink, die als Privatdetektivin arbeitet. Es geht von Wien nach Florenz und weiter in die Toskana.

Beide Handlungsstränge verlaufen parallel und erzeugen Spannung durch ihre unterschiedlichen Perspektiven. Hin und wieder gibt es Rückblicke auf Teresas Erlebnisse nach der Entführung, was eine zusätzliche dramatische Komponente ist.

Im Mittelpunkt der Handlung steht zum einen das Ermittlerduo des BKA, bestehend aus Peter Gerink und seinem langjährigen Kollegen Dino Scatozza. Als Entführungsspezialisten übernehmen sie den Fall der verschwundenen Teresa Del Vecchio. Parallel dazu erhält auch Elena Gerink als Privatdetektivin einen neuen Auftrag. Monica Del Vecchio bittet sie um Unterstützung, da ihr Vater Salvatore ebenfalls vermisst wird. Da dieser Fall nicht in den Zuständigkeitsbereich des BKA fällt, darf Elena aktiv ermitteln.

Beide Handlungsstränge entwickeln packende Spannungskurven. Der Schreibstil sorgt für eine stimmungsvolle, stellenweise atemlose Atmosphäre und mischt Thriller-Element mit Action und einer guten Portion Humor. Die Dialoge fühlen sich wie echte Gespräche an. Die Dynamik wird zusätzlich durch die knackigen Kapitel, kurzen Sätze und auf den Punkt gebrachten Erzählungen verstärkt.

Teil 2 „Herzfluch“ folgt in Bälde als Rezension, dort treffen wir die Gerinks und auch den Kollegen Dino Scatozza wieder … 



Hardinghaus, Christian: Die Buchhändlerin von Königsberg

Bild: Piper
Friedas Traum ist es, Bibliothekarin oder Buchhändlerin zu werden. Doch nach dem Willen ihres Vaters soll sie im familieneigenen Gemischtwarenladen arbeiten, um den später zu übernehmen. Allerdings kommt ihr der Verleger Konopke, Eigentümer der (damals) größten Buchhandlung Deutschlands, dem Haus der Bücher, zu Hilfe, um ihren Traum zu verwirklichen.

Wenig später werden zahlreiche Autorinnen und Autoren von den Nazis verboten, darunter, wie man weiß auch Erich Kästner und Erich Maria Remarque sowie Hunderte andere.

„Namen wie Franz Kafka und Stefan Zweig sind Synonyme für literarische Perversion. Ihre Werke sind durch und durch jüdisch und stellen eine Gefahr für die deutsche Seele dar. Wir müssen uns ganz entschieden gegen solche Autoren und ihre Ideen wehren.“

Dieses Zitat aus der geifernden Rede des Zensors Ernst Müller, den Frieda in Leipzig bei der Bücherverbrennung erlebt, lässt in ihr Widerstand keimen. Damit ist sie auf Wellenlänge mit ihrem Chef Konopke, der sie in das Geheimnis der Buchhandlung einweiht. Jeder, der nach dem Roman Die Fliegenfischer von der Memel fragt, erhält in Konopkes Büro ein besonderes Buchpaket. In ihrem 1. Urlaub verliebt sie sich. Als Hans 1944 wieder an die Front muss, flüchtet Frieda in Sorge um ihn, in eine Art Scheinwelt.

1945 ist Frida dann als Krankenschwester tätig. Ihre Freundin aus Kindertagen Lotti ist nun Ärztin und gemeinsam versorgen sie die vor allem an Typhus Erkrankten sowie die zahlreichen Waisenkinder. Lotti ist besorgt um Frieda, die freudestrahlend vom regelmäßigen Briefverkehr mit ihrem Verlobten Hans erzählt, obwohl es seit Monaten keine Post mehr von oder nach Königsberg gibt. Ist Frieda nun zur Gänze in ihre Fantasiewelt abgeglitten? Der Autor und Historiker Christian Hardinghaus hat die Fakten penibel recherchiert. Wie wir es von ihm gewöhnt sind, verpackt er die geschichtlichen Details authentisch in eine fesselnde fiktionale Handlung, die sich in Teilen so ähnlich zugetragen haben könnte. Sehr einfühlsam ist auch der Schutzmechanismus, den sich die fiktive Frieda, stellvertretend für alle traumatisierten Frauen, zugelegt hat, beschrieben. Heute würde man ihr eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) attestieren.



Sußebach, Henning: Anna oder: Was von einem Leben bleibt

Bild: C. H. Beck
Anna ist die Urgroßmutter des Autors. Einige Fotos, Poesiealben, Postkarten, ein Kaffeeservice, ein Verlobungsring: Viel mehr stand Henning Sußebach nicht zur Verfügung, als er sich auf die Spuren seiner Urgroßmutter Anna begab. Nach einem Jahr der Suche verfestigte sich das Bild: Da hat eine scheinbar gewöhnliche Frau ein außergewöhnliches Leben geführt, gegen allerlei Widerstände. Anna nahm sich, was sie vom Leben wollte: Männer, Arbeit, Freiheit! Diesem Willen hat der Autor seine Existenz zu verdanken. Mit diesem Buch rettet er eine schon fast gänzlich verblasste Erinnerung. Es ist eine zauberhafte Annäherung an die Vorfahren, ohne deren Entscheidungen und Mut es uns nicht gäbe. Und es ermuntert, nach den Annas zu suchen, die es in jeder Familiengeschichte gibt.

Mit Poesiealben, Kirchenbüchern, Wetterdienstdaten und Fotos setzt er Annas Lebensgeschichte zusammen. Bei Familienfesten wurde über diese Urgroßmutter geredet. Das ist alles lange her und trotzdem nicht gänzlich vergessen. Mündliche Überlieferung ist natürlich eine Schiene der Recherche, alles andere wurde dann schwieriger.

Diese Lebensgeschichte der jungen Westfälin, die durch die plötzliche Not im Elternhaus zu Missionsschwestern in die Niederlande geschickt wird, Lehrerin wird, das „Lehrerinnenzölibat" aber irgendwann bricht, um gesellschaftlichen und familiären Widerständen zum Trotz einen wohlhabenden Gastwirtschafts- und Postfamiliensohn heiratet. Nach dessen frühem Tod leitet sie das Geschäft als alleinerziehende Mutter allein, heiratet einen knapp 20 Jahre jüngeren Mann und stirbt schließlich einen Krebstod. Es ist nicht nur die Lebensgeschichte dieser toughen Frau, die einen einnimmt: Die Mischung aus Mitgefühl und „analytischer Schärfe", Rekonstruktion und Fiktion und dazu Sußebachs Vermögen, Zeitgeschichte anschaulich einzubinden, lassen einen eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen.



Wolf, Klaus-Peter: Ostfriesenerbe

Bild: Sauerländer Fischer
Klaus-Peter Wolf – DER Autor der Ostfriesen-Reihe, die soooo beliebt ist – nun geht sie in die 20. Runde Wahnsinn und immer noch so gut wie beim ersten Band. Ann Kathrin Klaasen ermittelt mal wieder – in einem Fall, in dem Radio Nordseewelle über den Fund von zwei toten Frauen berichtet. Vor zwei Museen werden die Frauen abgelegt gefunden. Könnte der Mörder wieder zuschlagen??? Vor dem Teemuseum wurde die Leiche von Helga Bornemann gefunden und Ann Kathrin weiß, dass dieser Fall sie fordern wird. Die andere Leiche ist Roberta Nagold, die ein Vermögen geerbt hatte. Auch Helga war vermögend. Warum das so ist, das verrate ich natürlich nicht, nur so viel, es wird wieder lebendig spannend und entführt in den hohen Norden. Eines sei gesagt, es wird für Ann Kathrin Klaasen gefährlich …

Natürlich ist das Buch auch wieder absolut spannend. Wo nimmt der Autor nur immer wieder seine tollen Ideen her? Prima gemacht, echt cool geschrieben, spannungsgeladen, lebendig und bis zur letzten Seite weiß man nicht, wie es ausgeht.

Sehr viel Ostfriesland ist außerdem in die Story eingebunden und man liest sich in die Geschichte ein von der ersten bis zur letzten Seite. Hervorragend gemacht, für Wolf-Krimi-Fans ein Muss!!!

Die Helga Bornemann wurde auch Miss Moneypenny genannt, da denkt man gleich an James Bond, 007, so nannte man seine Sekretärin. Gleich zu Beginn des Buches erscheint sie am freien Tag von Ann Kathrin und übergibt ihr Zugänge in die geheimsten Verknüpfungen diverser Datenauskünfte, die man auch zur Lösung komplizierter Fälle oder auch im negativen zum Fertigmachen wichtiger Leute benutzen kann, wem sonst als Ann Kathrin kann man sowas geben? Sie ist loyal. Ann ist verstört berichtet es nur Weller, ihrem Ehemann und Kollegen und sagt ihm auch, sie habe den Zugangscode gleich geändert, vorsichtshalber, ging einfach wie man ein Passwort ändert. Und sie hat es an sich ausprobiert (Lesestelle S. 25) sie ist fasziniert und erschrocken gewesen.

Deshalb ist ihr sofort klar als die Leiche von Miss Moneypenny gefunden wird, das hier wird nun gefährlich, gefährlicher als sie es gewohnt war als Oberkommissarin…


Franke, Christine & Kuhnert, 
Cornelia:
Der Fall Hartnagel (Frisch ermittelt)


Bild: rororo
Dieser Roman aus der „Heißmangel-Reihe“ zeigt ein Abbild des Lebens in der BRD der Fünfziger Jahre.

An einem Spätsommertag liegt der angesehene Arzt Dr. Rudolf Hartnagel tot im Park seines Kindererholungsheims. Durch die blau gefärbte Zunge wird rasch eine Zyankali-Vergiftung diagnostiziert. 

Die Polizei geht von Suizid aus und will den Fall zu den Akten legen. Doch Heißmangel-Betreiberin Martha Frisch gibt sich nicht zufrieden und geht der Sache nach. Gemeinsam mit Karl, dem Volontär der Leeraner Zeitung, kommt sie den verborgenen Seiten in Hartnagels Leben auf die Spur, die von Homosexualität in biederen Zeiten bis hin zu NS-Euthanasievorwürfen reichen. Eins ist klar, umgebracht hat Hartnagel sich nicht. Und jemand ist mit seinem Racheplan längst noch nicht fertig...



Haran, 
Elisabeth: Outbackträume – Australien-Roman


Bild: Lübbe
In diesem Roman geht es um den Traum vom Leben auf dem Roten Kontinent.

Die junge Rosa verlässt 1946 mit 20 Jahren ihre Heimat in Italien um in Australien einen Farmer zu heiraten. Den Farmer hat sie über eine Annonce und einen dann folgenden längeren Briefwechsel kennen gelernt. Er gibt an 30 Jahre alt zu sein, aber hat nie, im Gegensatz zu Rosa ein Foto von sich mitgeschickt.

Nach einer langen Seereise in Darwin angekommen steht ein Mann vor ihr der älter ist als ihr eigener Vater. Doch als sie in Daly Waters ankommt, muss sie feststellen, dass es nicht ihr künftiger Ehemann war, mit dem sie all die Monate einen bezaubernden Briefwechsel geführt hat. Sie schafft es der Hochzeit zu entgehen und findet ein neues Leben und ein richtiges Glück mit einem Mann den sie liebt und der tatsächlich 30 Jahre alt ist.

Sie heiratet diesen Mann und sie bekommen eine Tochter. Um der Tochter Ella eine gute Ausbildung zukommen zu lassen schicken sie Ella in ein Internat in Darwin.

1967 kehrt Ella zurück nach Daly Waters um sich um ihre Mutter zu kümmern, die durch das Klima öfter erkrankt. Dafür hat sie ihre Arbeit in einem Zoo in Darwin aufgegeben. Sie lebt sich schnell ein und sie ist überglücklich als sie eine Tierauffangstation im Ort gründet. Aber bald muss sie feststellen, dass es in der Kleinstadtidylle ganz schön brodelt...

Ein wunderbarer Australien-Roman mit einer berührenden Liebesgeschichte.





Das nächste Lesecafé findet am 03.06.2026 in der Stadtteilbibliothek in Groß Klein statt. 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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