Undercover unter Nazis

Bildquelle: Hofmann und Campe
Bild: Hofmann und Campe

"Dieses Buch ist Weckruf und Sensation zugleich: Angelique Geray ist es gelungen, mehrfach in die inneren Kreise der rechtsextremen Szene einzudringen, wo sie unter höchster Gefahr recherchiert hat: auf Demonstrationen, bei Versammlungen, bei konspirativen Treffen, bis hin zu vermeintlichen Dates im Kerzenschein. Angelique Geray legt offen, wie die rechtsextreme Szene im Inneren funktioniert. Sie gibt tiefen Einblick in geheime Codes und Strukturen, enthüllt perfide Social-Media-Strategien und offenbart, mit welchen Mitteln die rechtsextreme Szene gezielt Nachwuchs rekrutiert. Ein investigatives Meisterwerk, für das die Autorin ein hohes persönliches Risiko eingegangen ist. 

»Warum werden Jugendliche militant rechtsradikal? Worauf Politiker und Pädagogen von ›draußen‹ Antworten suchen: Angelique Geray macht es unter Lebensgefahr von ›drinnen‹. Deshalb sind ihre Erkenntnisse so wertvoll. Ihr ist es gelungen, weil sie mehr wissen wollte und weil sie außerordentlich mutig ist. Danke. Und nochmals danke.« Günter Wallraff"

Weitere Titel zum Thema in der Stadtbibliothek Rostock
Faschismus ist keine Meinung 
Raubzug von rechts 
Recht gegen rechts 
Rechtsruck im Klassenzimmer 
Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert 


KW

Christopher Street Day!

Diesen Samstag, 18. Juli, finden in vielen Städten Deutschlands die Veranstaltungen zum Christopher Street Day statt, so auch bei uns in Rostock!

Passend dazu haben wir bald das Buch "Come out!" von Thomas Sparr bei uns in der Bibliothek. Im Bestand unser Onleihe MV könnt ihr es bereits jetzt lesen.

Bild: C.H.Beck
"Es war die Nacht zum 28. Juni 1969. In dieser Sommernacht wehrten sich junge Männer und Frauen im Stonewall Inn, einer Homosexuellenbar in New York, gewaltsam gegen eine Razzia der Polizei. Der kleine "Aufstand der Anstößigen" wurde später zum großen, weltweiten Symbol des Widerstands und der Selbstbehauptung einer entrechteten Minderheit.Im selben Jahr wurde in der Bundesrepublik der Paragraph 175 liberalisiert, während in der DDR Homosexualität bereits straffrei war. Thomas Sparr schildert den Mythos und die Wirklichkeit des Aufstands in der Christopher Street und zeigt seine Folgen bis heute. Wie wirkte er sich in Deutschland aus? Wie veränderte er die Selbstbilder homosexueller Frauen und Männer und wie die Art und Weise, in der andere sie bis heute wahrnehmen? Jahr für Jahr erinnern die Christopher Street Days in Deutschland, in Amerika, in Budapest und erst recht die verbotenen in Teheran wie in Moskau und Minsk daran: Wer sich nicht wehrt, liebt verkehrt." (Verlagstext) 


Wer sich schon vorher zum Thema zwischen die Seiten stürzen will, findet reichlich Auswahl in unserem aktuellen Sonderregal im Erdgeschoss.

Bild: Stadtbibliothek Rostock

LH



                                                                                                                                                                





Yesteryear

Hand aufs Herz: Wie sehr zieht es Sie in die Vergangenheit? Also speziell in die Zeit, in der der Mann zur Arbeit geht und die Frau zu Hause bei den Kindern bleibt und dafür sorgt, dass jeden Tag ein Sauerteigbrot auf den Tisch kommt? 

Ich wäre bei dem Part mit dem Sauerteigbrot ehrlicherweise raus und befürchte, dass meine Familie sich zunächst durch alle Aggregatzustände eines Brotes probieren muss, bevor etwas halbwegs essbares dabei herauskommt. Aber auch mit dieser klassischen "Arbeitsteilung" hätte ich so meine Schwierigkeiten. 

Aber es gibt ja solche und solche. Und dann gibt es noch ganz andere. 
Und für die sogenannten Tradwives ist dieses Modell der wahrgewordene Traum. Tradwives, also traditionelle Hausfrauen, leben die klassische Rollenverteilung. Hausfrau und Mutter. Mehr braucht eine Frau (in der Welt von den Tradwifes) nicht, um glücklich zu sein. Da sitzt das Sauerteigbrot. 

Auch in die Buchwelt ist dieser Trend mittlerweile übergeschwappt und kaum ein Buch hat in letzter Zeit die Klaviatur des Marketing besser beherrscht, als der Debütroman von Caro Claire Burke. Die Schauspielerin Anne Hathaway hat sich die Filmrechte noch vor Erscheinen des Buches gesichert und wird, wenn alles gut läuft, auch die Hauptrolle spielen. Längst ist es auf der Bestsellerliste erschienen und hält sich wacker auf Platz 2 (Knapp hinter "Fünf, sechs, sieben, acht" von Ewald Arenz).
Auch im Feuilleton und auf den gängigen Social Media Kanälen wird "Yesteryear" mittlerweile vielfältig besprochen. 

Doch worum geht es eigentlich?

Bild: Heyne
Inhaltsbeschreibung:

Natalie Heller Mills hat alles: eine malerisch renovierte Farm, fünf Kinder, die um ihre Liebe buhlen, und einen Mann, der in Cowboystiefeln immerhin eine gute Figur abgibt. Vom Sauerteig bis zur Kindererziehung, nichts scheint ihr zu misslingen. Kein Wunder also, dass Millionen von Menschen ihr folgen, ihre Videos schauen, ihre Bilder anklicken. Sie gibt ihnen das, was sie wollen: eine heile Welt. Skandale werden unter den Teppich gekehrt, da, wo sie hingehören.

Doch eines Tages wacht Natalie auf und sieht sich mit einer unbequemen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn sie keine Nannys beschäftigen könnte, es keine helfenden Hände auf der Farm gäbe, kein Produktionsteam? Was wäre, wenn sie auf einmal das Leben führen müsste, das sie immer vorgetäuscht hat? (Verlagstext)


Auch mich hat der Roman in seinen Bann gezogen. Und selten habe ich so schnell eine Antipathie gegenüber einer Protagonistin entwickelt, wie bei diesem Buch. Du meine Güte! Das ganze Buch wird aus der Ich-Perspektive erzählt, so dass man live die Gedanken und Gefühle von Natalie verfolgt. Und diese sind nicht immer so christlich, wie sie sich nach außen hin präsentieren möchte. Die traditionellen Werte werden zwar hochgehalten, aber der Schein trügt. Gerade die Follower auf den Social Media-Kanälen bekommen nur eine geschönte Version von ihrem Leben zu sehen. Da werden technische Geräte aus dem Bild genommen, vermeintliches Bio-Gemüse wird im Supermarkt nebenan gekauft und... mehr verrate ich lieber nicht ohne zu viel zu spoilern. 

Zudem spielt das Buch in zwei verschiedenen Zeitebenen, denn Natalie erwacht in einer Welt, in der es keinen Strom, aber dafür neue Kinder gibt und auch ihr Mann hat durchaus eine Veränderung mitgemacht. Es ist vor allem das Leben, was sie bisher auf Instagram als die himmlische Erfüllung verkaufen wollte. Und so ganz ohne technische Hilfsmittel gelingt beispielsweise auch ein Sauerteigbrot nicht, sondern wird zu einem undefinierbaren Klumpen, der kaum essbar ist. (Das wäre er bei mir aber auch mit technischen Hilfsmitteln geworden.)

Wer einen Roman sucht, der kritisch die Tradwife-Szene und Social Media hinterfragt, der beleuchtet, wie schnell man sich als Mann in der so genannten "Manosphere" vertiefen kann und dort mit Fake News konfrontiert wird und der dazu noch gut geschrieben und flüssig zu lesen ist, dem sei Yesteryear von Caro Claire Burke wärmstens empfohlen.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und fand auch die Auflösung am Ende durchaus logisch (da gibt es durchaus geteilte Meinungen). Und ich bin schon sehr gespannt auf die Verfilmung!

KB