Neues aus dem Lesecafé im März

Am 04.03.2026 fand wieder das beliebte Lesecafé in unserer Stadtteilbibliothek in Groß Klein statt.


Arenz, Ewald: Katzentage

Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch gelesen, was kein Kinderbuch war und das trotzdem nicht nur mit Worten, sondern auch durch zauberhaft zarte Bilder erzählte?

Bild: DuMont
Der Roman „Katzentage“ von Ewald Arenz, dessen Text wunderbar durch die Illustrationen von Florian Bayer ergänzt wird ist einfach wunderschön. Es ist schwer, hier ein Lieblingsbild z
u wählen, aber für mich wird es wohl entweder das der Romanheldin Paula mit Herbstlaub in der Hand auf Seite 15 oder das 1. Bild als die Katze auftaucht auf S. 35 sein.

Katzentage beginnt mit einer trügerisch einfachen Story: Ein Bahnstreik sorgt dafür, dass Paula und Peter, die gerade erst eine Konferenz und eine gemeinsame Nacht hinter sich haben, für ein verlängertes Wochenende Anfang Oktober in Würzburg stranden. Oder, wie es der Roman ausdrückt: „Als ob uns das Schicksal einen Tag freigegeben hat.“ Es sind dann ein Tag und ein Wochenende an dem sie sich in einem kleinen Teehäuschen mit Dusche im Haupthaus einquartieren und sogenannte Katzentage, Tage an denen man machen kann was man will ohne Termine und ohne Vorschriften verbringen und ja, es taucht dann wirklich noch eine Katze auf…

Paula ist Ärztin in einer Klinik, Paul ist in derselben Klinik Verwaltungsjurist, beide haben sehr sachlich orientierte Berufe und erleben nun Tage der Unbeschwertheit und der Freude am Leben. Irgendwie hatten sie das in ihrem bisher etwas über 40jährigen Leben verloren.
Als sich eine Katze dem Paar anschließt, merken die beiden, welche Leichtigkeit das Leben bereithält, wenn man dafür offen ist.


Gruber, Andreas: Herzgrab

Bild: Goldmann
Der 1. Band über die junge Privatdetektivin Elena Gerink kam bereits 2013 heraus. 12 Jahre später erschien endlich die Fortsetzung. Dies bescherte auch dem 1. Teil ein neues Cover.
Ich stelle hier den 1. Teil vor, der uns in die Toskana entführt. Die Beschreibung ist so, dass ich mir das Anwesen der Del Vecchios direkt vorstellen kann. Teresa Del Veccios lebt in Wien (inzwischen auch mit österreichischer Staatsbürgerschaft) und kommt zu einer Beerdigung nach Hause. Dort wird sie allerdings entführt.

Als Leser trifft man im Wechsel der Kapitel auf Peter Gerink, Entführungsspezialist beim Bundeskriminalamt und seine Noch-Ehefrau Elena Gerink, die als Privatdetektivin arbeitet. Es geht von Wien nach Florenz und weiter in die Toskana.

Beide Handlungsstränge verlaufen parallel und erzeugen Spannung durch ihre unterschiedlichen Perspektiven. Hin und wieder gibt es Rückblicke auf Teresas Erlebnisse nach der Entführung, was eine zusätzliche dramatische Komponente ist.

Im Mittelpunkt der Handlung steht zum einen das Ermittlerduo des BKA, bestehend aus Peter Gerink und seinem langjährigen Kollegen Dino Scatozza. Als Entführungsspezialisten übernehmen sie den Fall der verschwundenen Teresa Del Vecchio. Parallel dazu erhält auch Elena Gerink als Privatdetektivin einen neuen Auftrag. Monica Del Vecchio bittet sie um Unterstützung, da ihr Vater Salvatore ebenfalls vermisst wird. Da dieser Fall nicht in den Zuständigkeitsbereich des BKA fällt, darf Elena aktiv ermitteln.

Beide Handlungsstränge entwickeln packende Spannungskurven. Der Schreibstil sorgt für eine stimmungsvolle, stellenweise atemlose Atmosphäre und mischt Thriller-Element mit Action und einer guten Portion Humor. Die Dialoge fühlen sich wie echte Gespräche an. Die Dynamik wird zusätzlich durch die knackigen Kapitel, kurzen Sätze und auf den Punkt gebrachten Erzählungen verstärkt.

Teil 2 „Herzfluch“ folgt in Bälde als Rezension, dort treffen wir die Gerinks und auch den Kollegen Dino Scatozza wieder … 



Hardinghaus, Christian: Die Buchhändlerin von Königsberg

Bild: Piper
Friedas Traum ist es, Bibliothekarin oder Buchhändlerin zu werden. Doch nach dem Willen ihres Vaters soll sie im familieneigenen Gemischtwarenladen arbeiten, um den später zu übernehmen. Allerdings kommt ihr der Verleger Konopke, Eigentümer der (damals) größten Buchhandlung Deutschlands, dem Haus der Bücher, zu Hilfe, um ihren Traum zu verwirklichen.

Wenig später werden zahlreiche Autorinnen und Autoren von den Nazis verboten, darunter, wie man weiß auch Erich Kästner und Erich Maria Remarque sowie Hunderte andere.

„Namen wie Franz Kafka und Stefan Zweig sind Synonyme für literarische Perversion. Ihre Werke sind durch und durch jüdisch und stellen eine Gefahr für die deutsche Seele dar. Wir müssen uns ganz entschieden gegen solche Autoren und ihre Ideen wehren.“

Dieses Zitat aus der geifernden Rede des Zensors Ernst Müller, den Frieda in Leipzig bei der Bücherverbrennung erlebt, lässt in ihr Widerstand keimen. Damit ist sie auf Wellenlänge mit ihrem Chef Konopke, der sie in das Geheimnis der Buchhandlung einweiht. Jeder, der nach dem Roman Die Fliegenfischer von der Memel fragt, erhält in Konopkes Büro ein besonderes Buchpaket. In ihrem 1. Urlaub verliebt sie sich. Als Hans 1944 wieder an die Front muss, flüchtet Frieda in Sorge um ihn, in eine Art Scheinwelt.

1945 ist Frida dann als Krankenschwester tätig. Ihre Freundin aus Kindertagen Lotti ist nun Ärztin und gemeinsam versorgen sie die vor allem an Typhus Erkrankten sowie die zahlreichen Waisenkinder. Lotti ist besorgt um Frieda, die freudestrahlend vom regelmäßigen Briefverkehr mit ihrem Verlobten Hans erzählt, obwohl es seit Monaten keine Post mehr von oder nach Königsberg gibt. Ist Frieda nun zur Gänze in ihre Fantasiewelt abgeglitten? Der Autor und Historiker Christian Hardinghaus hat die Fakten penibel recherchiert. Wie wir es von ihm gewöhnt sind, verpackt er die geschichtlichen Details authentisch in eine fesselnde fiktionale Handlung, die sich in Teilen so ähnlich zugetragen haben könnte. Sehr einfühlsam ist auch der Schutzmechanismus, den sich die fiktive Frieda, stellvertretend für alle traumatisierten Frauen, zugelegt hat, beschrieben. Heute würde man ihr eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) attestieren.



Sußebach, Henning: Anna oder: Was von einem Leben bleibt

Bild: C. H. Beck
Anna ist die Urgroßmutter des Autors. Einige Fotos, Poesiealben, Postkarten, ein Kaffeeservice, ein Verlobungsring: Viel mehr stand Henning Sußebach nicht zur Verfügung, als er sich auf die Spuren seiner Urgroßmutter Anna begab. Nach einem Jahr der Suche verfestigte sich das Bild: Da hat eine scheinbar gewöhnliche Frau ein außergewöhnliches Leben geführt, gegen allerlei Widerstände. Anna nahm sich, was sie vom Leben wollte: Männer, Arbeit, Freiheit! Diesem Willen hat der Autor seine Existenz zu verdanken. Mit diesem Buch rettet er eine schon fast gänzlich verblasste Erinnerung. Es ist eine zauberhafte Annäherung an die Vorfahren, ohne deren Entscheidungen und Mut es uns nicht gäbe. Und es ermuntert, nach den Annas zu suchen, die es in jeder Familiengeschichte gibt.

Mit Poesiealben, Kirchenbüchern, Wetterdienstdaten und Fotos setzt er Annas Lebensgeschichte zusammen. Bei Familienfesten wurde über diese Urgroßmutter geredet. Das ist alles lange her und trotzdem nicht gänzlich vergessen. Mündliche Überlieferung ist natürlich eine Schiene der Recherche, alles andere wurde dann schwieriger.

Diese Lebensgeschichte der jungen Westfälin, die durch die plötzliche Not im Elternhaus zu Missionsschwestern in die Niederlande geschickt wird, Lehrerin wird, das „Lehrerinnenzölibat" aber irgendwann bricht, um gesellschaftlichen und familiären Widerständen zum Trotz einen wohlhabenden Gastwirtschafts- und Postfamiliensohn heiratet. Nach dessen frühem Tod leitet sie das Geschäft als alleinerziehende Mutter allein, heiratet einen knapp 20 Jahre jüngeren Mann und stirbt schließlich einen Krebstod. Es ist nicht nur die Lebensgeschichte dieser toughen Frau, die einen einnimmt: Die Mischung aus Mitgefühl und „analytischer Schärfe", Rekonstruktion und Fiktion und dazu Sußebachs Vermögen, Zeitgeschichte anschaulich einzubinden, lassen einen eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen.



Wolf, Klaus-Peter: Ostfriesenerbe

Bild: Sauerländer Fischer
Klaus-Peter Wolf – DER Autor der Ostfriesen-Reihe, die soooo beliebt ist – nun geht sie in die 20. Runde Wahnsinn und immer noch so gut wie beim ersten Band. Ann Kathrin Klaasen ermittelt mal wieder – in einem Fall, in dem Radio Nordseewelle über den Fund von zwei toten Frauen berichtet. Vor zwei Museen werden die Frauen abgelegt gefunden. Könnte der Mörder wieder zuschlagen??? Vor dem Teemuseum wurde die Leiche von Helga Bornemann gefunden und Ann Kathrin weiß, dass dieser Fall sie fordern wird. Die andere Leiche ist Roberta Nagold, die ein Vermögen geerbt hatte. Auch Helga war vermögend. Warum das so ist, das verrate ich natürlich nicht, nur so viel, es wird wieder lebendig spannend und entführt in den hohen Norden. Eines sei gesagt, es wird für Ann Kathrin Klaasen gefährlich …

Natürlich ist das Buch auch wieder absolut spannend. Wo nimmt der Autor nur immer wieder seine tollen Ideen her? Prima gemacht, echt cool geschrieben, spannungsgeladen, lebendig und bis zur letzten Seite weiß man nicht, wie es ausgeht.

Sehr viel Ostfriesland ist außerdem in die Story eingebunden und man liest sich in die Geschichte ein von der ersten bis zur letzten Seite. Hervorragend gemacht, für Wolf-Krimi-Fans ein Muss!!!

Die Helga Bornemann wurde auch Miss Moneypenny genannt, da denkt man gleich an James Bond, 007, so nannte man seine Sekretärin. Gleich zu Beginn des Buches erscheint sie am freien Tag von Ann Kathrin und übergibt ihr Zugänge in die geheimsten Verknüpfungen diverser Datenauskünfte, die man auch zur Lösung komplizierter Fälle oder auch im negativen zum Fertigmachen wichtiger Leute benutzen kann, wem sonst als Ann Kathrin kann man sowas geben? Sie ist loyal. Ann ist verstört berichtet es nur Weller, ihrem Ehemann und Kollegen und sagt ihm auch, sie habe den Zugangscode gleich geändert, vorsichtshalber, ging einfach wie man ein Passwort ändert. Und sie hat es an sich ausprobiert (Lesestelle S. 25) sie ist fasziniert und erschrocken gewesen.

Deshalb ist ihr sofort klar als die Leiche von Miss Moneypenny gefunden wird, das hier wird nun gefährlich, gefährlicher als sie es gewohnt war als Oberkommissarin…


Franke, Christine & Kuhnert, 
Cornelia:
Der Fall Hartnagel (Frisch ermittelt)


Bild: rororo
Dieser Roman aus der „Heißmangel-Reihe“ zeigt ein Abbild des Lebens in der BRD der Fünfziger Jahre.

An einem Spätsommertag liegt der angesehene Arzt Dr. Rudolf Hartnagel tot im Park seines Kindererholungsheims. Durch die blau gefärbte Zunge wird rasch eine Zyankali-Vergiftung diagnostiziert. 

Die Polizei geht von Suizid aus und will den Fall zu den Akten legen. Doch Heißmangel-Betreiberin Martha Frisch gibt sich nicht zufrieden und geht der Sache nach. Gemeinsam mit Karl, dem Volontär der Leeraner Zeitung, kommt sie den verborgenen Seiten in Hartnagels Leben auf die Spur, die von Homosexualität in biederen Zeiten bis hin zu NS-Euthanasievorwürfen reichen. Eins ist klar, umgebracht hat Hartnagel sich nicht. Und jemand ist mit seinem Racheplan längst noch nicht fertig...



Haran, 
Elisabeth: Outbackträume – Australien-Roman


Bild: Lübbe
In diesem Roman geht es um den Traum vom Leben auf dem Roten Kontinent.

Die junge Rosa verlässt 1946 mit 20 Jahren ihre Heimat in Italien um in Australien einen Farmer zu heiraten. Den Farmer hat sie über eine Annonce und einen dann folgenden längeren Briefwechsel kennen gelernt. Er gibt an 30 Jahre alt zu sein, aber hat nie, im Gegensatz zu Rosa ein Foto von sich mitgeschickt.

Nach einer langen Seereise in Darwin angekommen steht ein Mann vor ihr der älter ist als ihr eigener Vater. Doch als sie in Daly Waters ankommt, muss sie feststellen, dass es nicht ihr künftiger Ehemann war, mit dem sie all die Monate einen bezaubernden Briefwechsel geführt hat. Sie schafft es der Hochzeit zu entgehen und findet ein neues Leben und ein richtiges Glück mit einem Mann den sie liebt und der tatsächlich 30 Jahre alt ist.

Sie heiratet diesen Mann und sie bekommen eine Tochter. Um der Tochter Ella eine gute Ausbildung zukommen zu lassen schicken sie Ella in ein Internat in Darwin.

1967 kehrt Ella zurück nach Daly Waters um sich um ihre Mutter zu kümmern, die durch das Klima öfter erkrankt. Dafür hat sie ihre Arbeit in einem Zoo in Darwin aufgegeben. Sie lebt sich schnell ein und sie ist überglücklich als sie eine Tierauffangstation im Ort gründet. Aber bald muss sie feststellen, dass es in der Kleinstadtidylle ganz schön brodelt...

Ein wunderbarer Australien-Roman mit einer berührenden Liebesgeschichte.





Das nächste Lesecafé findet am 03.06.2026 in der Stadtteilbibliothek in Groß Klein statt. 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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