An welche europäische
Stadt müssen Sie denken, wenn Sie nur diese kleine Textzeile aus einem
berühmten Schlagerlied sehen?
Wenn Ihnen jetzt
spontan die niederländische Hauptstadt einfällt, liegen Sie goldrichtig.
Ab und zu ist es für
mich mal ganz schön, sich ein kleines Wochenende zu schnappen und eine Stadt
unsicher zu machen.
Vor einiger Zeit war es mal wieder soweit und im
winterlosen Februar zog es mich, gemeinsam mit zwei Reisebegleitern in den
Westen (also gut, "ganz allein" war ich nicht).
Nun gibt es zwei
Arten, um an solch einen Kurztrip (wenn Datum und Ziel schon feststehen) ran zu gehen:
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Möglichkeit
A): Man plant alles minutiös, was man wann machen möchte und wo man überall
hinein möchte. Vor allem schaut man, ob man für die gewünschten Museen etc.
Online-Tickets kaufen kann und kauft diese selbstverständlich.
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Möglichkeit
B): Man lässt sich einfach treiben und schaut, was so passiert.
Sie ahnen es sicher:
Ich habe mich für Möglichkeit B) entschieden. Das Problem war nur, dass sich
meine beiden Reisebegleiter ebenfalls für diese Möglichkeit entschieden haben.
Das ist natürlich
sehr schön, weil man so auf dem gleichen Level ist und keiner von Museum zu
Sehenswürdigkeit hetzt. Allerdings verpasst man womöglich gerade die
Attraktionen, die man sich, mit ein bisschen Vorbereitung, auf jeden Fall
angesehen hätte.
Es folgt nun ein
etwas längerer Reisebericht. Wenn Sie darauf keine Lust haben, können Sie sich
auch einfach ein paar Reiseführer über Amsterdam ausleihen und sich selbst ein Bild von der
Stadt machen…
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"Ein Bild von der Stadt" (Bild: privat) |
Doch von vorn: Unser
kleiner Städtetrip startete an einem Samstag, morgens in der Frühe von Berlin
Schönefeld. Hier schon mal der erste Tipp: Wenn Sie von Schönefeld aus
losfliegen möchten, planen Sie auf jeden Fall ausreichend Zeit für die
Sicherheitskontrolle ein. Ansonsten haben Sie womöglich das gleiche Problem wie wir,
nämlich, dass Sie 15 Min. vor Abflug (!) immer noch in der Warteschlange derselben
stehen. Sie können mir glauben, nichts stresst einen so sehr, als Leute, die es
nicht schaffen, schon VORHER ihre Flüssigkeiten aus ihrem Gepäckstück zu nehmen
und dann, wenn sie endlich dran sind, anfangen danach zu suchen…
Nach erfolgreicher
Durchsicht, hechteten wir im Schweinsgalopp zu unserem Gate, welches natürlich
eins von den hinteren war (zwischenzeitlich hatte ich mich schon darauf
eingestellt, dass wir das Wochenende fröhlich in Berlin verbringen). Die Ironie
folgte sofort: Während wir es mit Mühe und Not zum Gate schafften, warteten wir
dann nochmal gefühlt 5 Stunden (in Wirklichkeit waren es „nur“ 5 Minuten)
zusammengequetscht in einem Minibus, der uns zum Flieger bringen sollte. Hätte
man das vorher gewusst… Wär man wahrscheinlich trotzdem durch den Flughafen
gehetzt.
Aber endlich saßen
wir auf unseren Sitzen, im richtigen Flieger auf dem Weg nach Amsterdam. Nun
hätte man den kurzen Flug ja dazu nutzen können mal einen intensiven Blick in
unsere Reiseführer zu werfen. Hätte man. Stattdessen hörte ich lieber ein
bisschen Musik und ruhte mich von dem vorangegangen Stress aus…
Nach anderthalb
Stunden erreichten wir die Grachtenstadt. Der Blick von oben war zumindest
schon mal vielversprechend.
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Wasserstraße in Amsterdam (Bild: privat) |
Mit dem Bus ging es
dann hinein ins Abenteuer und die halbstündige Fahrt nutzte ich nun endlich, um
mal einen kleinen Blick in die Reiseführer zu werfen. Ahja, um ins Anne Frank Haus
zu kommen, wäre es ratsam vorher Online-Tickets zu kaufen, da von 09:00 Uhr bis
15:30 Uhr nur Personen mit einem Online-Ticket in die Sehenswürdigkeit gelassen
werden. Na super! Ansonsten gibt es noch ein Historisches Museum über
Amsterdam, wo man etwas über die Stadtgeschichte erfahren kann. Leider waren
meine Mitreisenden nicht so angetan von der Idee, stundenlang durch ein Museum
zu wandern. Dann eben nicht! Damit
schieden aber dann auch andere Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Van
Gogh Museum gleich mal aus. Also doch lieber erstmal durch die Stadt streifen
und sehen, was so passiert…
Erstmal passierte
folgendes: Nämlich Frühstück. Wir hatten noch nichts gegessen, also suchten wir
uns erstmal einen kleinen, aber feinen Laden, wo man gemütlich Leute schauen
und Pannekoeken essen konnte. Ich gebe zu, dies geschah auf Wunsch einer
einzelnen Dame. Aber ich war schon von meinen vorherigen Besuchen in den
Niederlanden sehr angetan von dieser Spezialität und auch meinen Mitreisenden ging
es nach dem Probieren, zum Glück, ganz ähnlich.
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Anne Frank Haus (Bild: Monica D.; Flickr) |
Frisch gestärkt, ging
es an die Eroberung der niederländischen Hauptstadt. Erst einmal zog es uns zu
dem Haus, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie während der Nazizeit
versteckt hat. Denn was so in Reiseführern steht, kann ja unmöglich der Wahrheit
entsprechen. Tat es aber leider doch. Das Schlimme war, die Schlange war für
Leute mit Online-Ticket schon recht lang, da wollten wir gar nicht wissen, wie
es ist, wenn der Einlass für alle offen ist… Also gut, dann eben später nochmal
wiederkommen und einen neuen Versuch starten...
Die Wahrheit ist: Insgesamt
starteten wir drei Versuche um in das Haus zu gelangen. Leider erfolglos. Somit
wird dies auf keinen Fall der letzte Besuch in Amsterdam gewesen sein...
Wir wanderten also
weiter durch die Stadt und ließen uns treiben. Ein bisschen Sightseeing hier
und ein paar kleine Lädchen dort. (Die Läden, wo es alles außer Kaffee gab,
mieden wir übrigens, weil wir ein bisschen genervt von dem süßlichen Geruch
waren, der daraus strömte.) Irgendwann schafften wir es so auch zum Dam, dem
großen Hauptplatz.
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Der Dam in Amsterdam (Bild: privat) |
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Größter Mann der Welt |
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Dort befindet sich neben Madame Tussaud´s Wachsfigurenkabinett
auch das Ripley´s. In das letztere Museum könnte man ja mal ganz kurz einen
Blick rein werfen, dachten wir uns. Weil, wir wollten ja eigentlich nicht
stundenlang von Exponat zu Exponat laufen. Der "kurze Blick" dauerte alles in
allem ganze drei Stunden. Das Museum hat den Zusatz „Believe it or not“. So war
das Museum voll von Kuriositäten, merkwürdigen Rekorden und anderen
Absonderlichkeiten, welche man ausgiebig bestaunen konnte. Vor allem konnte man
teilweise auch was Ausprobieren. Also falls Sie Kinder haben und Sie nicht so
richtig wissen, wohin mit denen, schicken Sie sie in das Museum und Sie haben
getrost ein paar Stunden Ihre Ruhe. Das Geld für den Minifilm in 5-D danach
kann man sich übrigens getrost sparen.
Man findet aber in dem Museum nicht nur eine
lebensgroße, mechanische Figur vom größten Mann der Welt, sondern kann sich in
einem Labor auch mit Aliens fotografieren lassen. Zusammengetragen hat dies übrigens
ein gewisser Herr Ripley, der fröhlich die Welt bereist hat, um genau solche
Kuriositäten zu finden. In dem Museum gibt es nichts, was es nicht gibt...
(2,72 m) (Bild: privat)
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Nightlife in Amsterdam (Bild: privat) |
Nach diesem
unerwarteten Museumsüberfall waren wir etwas fertig mit der Welt. Also nur ein
kurzes Abendbrot (es gab übrigens Burger, aber fragen Sie mich nicht, wo) und
dann ab zum Hotel…
Am nächsten Tag liefen wir noch ein bisschen in der Stadt umher, freuten uns, wenn wir etwas wieder erkannten und machten wiederum das ein oder andere Geschäft unsicher. Irgendwann zog es uns in die Nähe von einem Ablegesteg für die Grachten, so dass wir die Gelegenheit gleich beim Schopfe packten und uns die Stadt vom Wasser aus ansahen.
Waren wir vorher noch etwas unsicher, wie wir die Stadt nun eigentlich finden sollten, waren wir während der Grachtenfahrt ganz entzückt von den Wasserwegen und von den Erklärungen, die wir während der Rundfahrt erhielten. Auf jeden Fall war die Grachtenfahrt ein kleines Highlight, welches ich unbedingt weiter empfehlen kann. Vielleicht sogar als Startpunkt, bevor man die Stadt unsicher macht, weil man erstens ein Gefühl für die Stadt bekommt und zweitens erklärt bekommt, warum die Grachten überhaupt angelegt wurden (und nein, dieses Geheimnis verrate ich Ihnen jetzt nicht).
Auf jeden Fall hatten wir danach zum ersten Mal auf der Reise einen Plan, nämlich noch einmal den Hafen anschauen. Gesagt, getan. Dies war dann auch die letzte Station auf unserer Mini-Tour bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten...
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Hafen in Amsterdam (Bild: privat) |
Fazit:
Bitte planen Sie Ihren nächsten Kurztrip. Vor allem, wenn Sie "ganz allein in einer fremden Stadt" sind. Ansonsten verpassen Sie womöglich genau die Highlights, welche Sie mit ein bisschen Vorbereitung gesehen hätten. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch schön, sich einfach mal treiben zu lassen. So sieht man Gegenden, welche man, "stur mit Reiseführer", vielleicht gar nicht zu Gesicht bekommen hätte.
Ansonsten ist Amsterdam eine spannende Stadt, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Ich werde mir das nächste Mal das Historische Museum und das Anne Frank Haus (mit Online-Ticket) vornehmen.
Besonders gefallen hat mir die Grachtenfahrt, aber auch die vielen kleinen Lädchen luden wunderbar zum Bummeln ein.
Probieren Sie die Pannekoeken und auch das niederländische Bier soll ganz gut schmecken (das habe ich mir zumindest sagen lassen).
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
KB