Wo sind die Oscar-Filme?

Liebe Lesende, oder besser, Schauende!

Normalerweise ist unser Filmsortiment dafür bekannt eine ausgewogene Mischung aus Mainstream und LiWu-Spielplan zu sein. Diesmal hängen wir zu der 98. Oscar-Verleihung am 15. März jedoch im Mainstream zurück. Die Haushaltssperre der Stadt lässt grüßen... Gerade einmal 2 von 10 Nominierten in der Kategorie "Bester Film" können wir Ihnen aktuell anbieten: "Blood & Sinners" und "F1".

Immerhin können Sie sich somit selbst davon überzeugen, ob der Rekord von 16 Nominierungen für Blood & Sinners gerechtfertigt ist oder nicht.

Mein spoilerfreies Fazit: Der Hauptteil des Films ist unterhaltsam und kreativ. Für Leute, die den Trailer gesehen haben, plätschert der Anfang jedoch zu langsam vor sich hin, während das Finale hingegen enttäuschend kurz und unmotiviert daher kommt. Produktionsdesign, Kamera, Sound und dergleichen sind top. Nebendarsteller Delroy Lindo (zu Recht nominiert) und Jack O'Connell (leider nicht nominiert) stechen aus dem Cast heraus. Die Nominierung von Michael B. Jorden als bester Hauptdarsteller kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Die Doppelrolle der Gangster-Zwillingsbrüder wäre ohne die Kostümabteilung nicht unterscheidbar gewesen. Das hat Tom Hardy in "Legend" eindeutig besser hinbekommen.
Wenn ich an den Film zurückdenken werde, dann an eine einzigartige Performance von "Rocky Road to Dublin" aber nicht an 16 Nominierungen.

Erinnerungswürdiger ist für mich der Stop-Motion-Film "Memoiren einer Schnecke". Bereits bei den Oscars 2025 für "Bester Animationsfilm" nominiert, aber erst im Sommer letzten Jahres in den deutschen Kinos gestartet.
Adam Elliot (Regie & Drehbuch) berührte bereits "Mary & Max" mein Herz. Und erneut gelingt es ihm eine wunderbar einfühlsame Geschichte über Charaktere zu erzählen, die ihre ganz persönlichen Eigenarten haben und sich den Unwegsamkeiten des Lebens entgegenstellen. Aber nicht nur die Story steckt voller Emotionen. Ohne eine aufrichtige Passion für die eigene Arbeit ließen sich solch aufwendige, detailreiche Knetmasse-Sets nicht realisieren. Diese echte Handarbeit steckt voller Leben und verleiht dem Film einen ganz eigenen Charm.


Wie ich diesen Blog schreibe, stelle ich mal wieder fest, wie viele Filme vom letzten Jahr noch auf meiner Watchlist stehen: "Caught stealing" von Darren Aronofsky, "The Life of Chuck" mit Tom Hiddleston, "Der phönizische Meisterstreich" von Wes Anderson und "Die Rosenschlacht" zwischen Olivia Coleman und Benedict Cumberbatch.

Und dann noch die Filme vom Jahr davor, und davor, und ...

SeSa